Schlackenanalyse – Offline, At-Line, In-Line: Ein Leitfaden und Entscheidungshilfe
Schnelle Schlackenanalyse: Methoden im Geschwindigkeits-Ranking
In Stahlwerken hat die Schlacke Analyse einen zentralen Einfluss auf Prozesskontrolle, Qualität und Kosteneffizienz. Klassische Laborverfahren liefern zwar präzise Ergebnisse, doch ihre langen Analysezeiten verhindern eine prozessnahe Steuerung bei EAF-, LF- und BOF-Betrieb. Heute stehen mehrere schnelle Analysemethoden zur Verfügung, die von prädiktiven Simulationen bis hin zu direkten Messverfahren reichen. Hier stellen wir verfügbare Methoden – sortiert nach Geschwindigkeit, Genauigkeit und praktischem Einsatz – in den Kontext der realen Produktion
1. Simulation(Predictive Modeling) – Schnellste Orientierung
Prinzip: Berechnung der Zusammensetzung und Eigenschaften der Schlacke auf Basis thermodynamischer Modelle, Prozessdaten und historischer Messreihen.
Nutzen:
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Sofortige Vorhersagen ohne physische Probennahme
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Geeignet für Trendanalysen und Frühwarnindikatoren
Nachteile:
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Keine direkte chemische Analyse, sondern modellierte Werte
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Genauigkeit stark abhängig von Datenqualität und Modellgüte
Einsatz: Prozessüberblick, Ergänzung zu realen Messungen, keine Ersatzmessung für chemisch exakte Analysen.
2. Laser OES (Optical Emission Spectroscopy)
Prinzip: Bei Laser-Optical Emission Spectroscopy (OES / LIBS) erzeugt ein fokussierter Laser ein Plasma auf der Schlackenprobe. Die emittierten Spektrallinien werden analysiert und die Elementgehalte (z. B. CaO, SiO₂, MgO, Al₂O₃) bestimmt.
Vorteile:
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Sekundenschnelle Ergebnisse – geeignet für at-line Prozesssteuerung und in-situ Entscheidungen direkt am Ofen oder im Nebenraum.
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Minimale Probenvorbereitung – granulierte Schlacke kann direkt gemessen werden, ohne Pressen oder Schmelzen.
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Hohe Reproduzierbarkeit – im realen Betrieb vergleichbar mit RFA-Schmelzperlen bei wichtigen Oxiden
Nachteile:
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(Bisher) basiert die Kalibrierung nicht auf zertifizierten Referenzmaterialien (CRM´s)
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Probenahme erforderlich
Einsatz:
At-line Laser-OES Gerät ermöglicht Analysezeiten <60 s und verringert Sicherheitszugaben von Legierungselementen durch datenbasierte Entscheidungen.

3. EAF/LF Lichtbogen‑Beobachtung
Prinzip: Analyse von Licht-Emission des EAF Lichtbogens, Schaumverhalten oder thermischen Signalen zur qualitativen Einschätzung des Schlackenzustands.
Nutzen:
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Sofortige qualitative Indikatoren ohne Probennahme
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Unterstützt Erfahrungstrends in der täglichen Ofensteuerung
Limitationen:
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Keine chemische Zusammensetzung, nur Indizien
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Geringe Präzision – dient als ergänzende Information
Einsatz: Trendanzeige, qualitative Indikatoren; nicht geeignet als alleinige Prozesskennzahl.
4. RFA – Pressling
Prinzip: Gemahlene (~100µm Korngröße) Schlacke wird zu einem Pressling verdichtet und mittels Röntgenfluoreszenzanalyse (RFA) untersucht. Diese Methode ist im Werklabor etabliert und liefert stabile Ergebnisse für die wichtigsten Oxide, jedoch ohne vollständige Homogenisierung.
Vorteile:
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Bewährte, robuste Methode für die wichtigsten Oxide
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Traditionell etabliert im Werklabor
- Bisher die schnellstmögliche "echte" analyse
Nachteile: Partikeleffekte, die insbesondere bei leichten Elementen wie Mg, Al und Si die Präzision und Genauigkeit einschränken, da die RFA-Strahlung nur eine geringe Eindringtiefe hat. Außerdem verlängert die Probenvorbereitung die Analysezeit, sodass Pressling-Messungen langsamer als direkte In-situ-Methoden sind.
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Probenvorbereitung erforderlich
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Langsamer als In-situ-Methoden
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Eingeschränkte Genauigkeit für leichte Elemente im Vergleich zu Fusionsperlen
Einsatz: Werklaboranalytik mit ausgewogenem Verhältnis von Geschwindigkeit, Genauigkeit und Kosten.
5. RFA – Fusionsperle
Prinzip: Die Schlacke wird mit Flussmittel eingeschmolzen und zu einer homogenen Glasperle geformt. Matrixeffekte werden eliminiert, was sehr hohe Genauigkeit und Reproduzierbarkeit ermöglicht.
Vorteile:
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Sehr präzise und reproduzierbar
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Eliminierung von Matrixeffekten
Nachteile:
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Längere Probenvorbereitung
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Nicht für At‑line oder In‑line Echtzeitmessungen geeignet
Einsatz: Labor Referenz für Qualitätsdokumentation, Kalibrierung und Ringversuche.
5. Visuelle Schlackenbewertung – Erfahrungen des Bedienpersonals
Prinzip: Erfahrungsbasierte Bewertung von Farbe, Schaum und Oberfläche durch Bedienpersonal.
Vorteile:
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Sofort ohne Gerät verfügbar
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Ergänzend zur analytischen Bewertung
Nachteile:
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Subjektiv
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Geringe quantitative Aussagekraft
Einsatz: Sofortindikator vor analytischer Bestätigung.

Vergleich: Methodenmatrix
| Method | Geschwindigkeit | Genauigkeit | Probenvorbereitung | Prozessnähe | Kosten |
|---|---|---|---|---|---|
| Simulation / Predictive Modeling | Sehr hoch | Mittel | Keine | High | Mittel |
| Laser-OES | Hoch | Hoch | Niedrig | High | Hoch |
| Beobachtung von Lichtbögen | Hoch | Niedrig-mittel | Keine | High | Niedrig |
| RFA Pressling | Mittel | Mittel-hoch | Mittel | Medium | Mittel |
| RFA Schmelzperle | Mittel | Sehr hoch | Hoch | Low | Mittel-hoch |
| Visuelle Bewertung | Sehr hoch | Niedrig | Keine | High | Sehr niedrig |
Kernaussage für die Schlackenanalyse: Die prädiktive Simulation ist die insgesamt schnellste Methode und liefert nahezu sofort verwertbare Einblicke in die Schlackenchemie. Für direkte Echtzeitmessungen bietet Laser-OES die schnellsten und zuverlässigsten Ergebnisse und eignet sich ideal für die prozessnahe Steuerung.
Praxisorientierte Empfehlungen
Prozessnahe Steuerung (LF/EAF/BOF):
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Laser-OES im At-line-Einsatz liefert schnelle chemische Daten zur direkten Kontrolle von Schlacke-Oxidgehalt, Basiswerten und Refraktärverträglichkeit.
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Kombination von Predictive Modeling und Laser-OES unterstützt dynamische Anpassung an variierende Schrott- und DRI-Chargen.
Qualitätssicherung & Dokumentation:
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RFA mit Schmelztabletten bleibt Standard für Ringversuche und zertifizierte Referenzanalysen.
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Nutzung visueller Bewertung und Lichtbogenindikatoren als Ergänzung zur Entscheidungsvorbereitung.
Reduzierung von Stillstandzeiten:
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Reduzierte Analysezeiten ermöglichen kleinere Nachkorrekturen im Schmelzprozess, weniger Sicherheitszugaben und damit geringeren Legierungsstoffverbrauch sowie niedrigere Refraktärabnutzung.
Fazit: Zusammenspiel statt Entweder-Oder
Keine einzelne Methode deckt alle Anforderungen ab. Eine integrierte Strategie, die:
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prozessnahe Methoden (Laser-OES, Simulation) für direkte Steuerung,
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etablierte Labormethoden (XRF-Fusion, Pressling) für Referenz und Dokumentation,
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und visuelle/Indikatorbasierte Verfahren als Option mit niedrige Kosten
kombiniert, bietet den größten Nutzen für LF/EAF/BOF-Betriebe mit variierenden Rohmaterialien und hohen Qualitätsanforderungen.

